Vita

Clara Kalus, geboren in Münster, arbeitet seit 2014 als freischaffende Theaterregisseurin und lebt in Heidelberg.

Sie studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis mit den Schwerpunkten Theater, Musik und Popkultur an der Uni Hildesheim. Dort entstanden erste Arbeiten u.a. zu Schillers Wilhelm Tell am Theaterhaus Hildesheim. Als Diplom-Kulturwissenschaftlerin schloss sie 2011 das Studium mit der Abschlussarbeit Ceci n’est pas un homme ab. In dieser Recherche-Genderperformance widmete sie sich historischen Biografien von Frauen, die von geltenden Geschlechternormen durch Cross-Gender-Praktiken abwichen. Einen weiteren genderthematischen Fokus setzte sie in ihrer Diplomarbeit High pitch, voice & sex. Die Faszination der hohen Männerstimme auf die performative Dimension der Opernstimme.

Während und nach dem Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Regieassistentin für Musiktheater u.a. an den Theatern in Heidelberg und Bonn mit Regisseur*innen wie Lorenzo Fioroni, Ingo Kerkhoff, Lydia Steier, Eva-Maria Höckmayr und Dietrich Hilsdorf, mit dem sie seit ihrer Zeit als Kinderdarstellerin am Theater Münster eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. 2015 war Clara Kalus bei den Bayreuther Festspielen Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes.

2012 erfolgte ihr Operndebüt im Rokokotheater Schwetzingen mit der deutschen Erstaufführung von Porporas Polifemo in der Ausstattung von Sebastian Hannak. Es folgten weitere Inszenierungen auf den Bühnen des Theaters Heidelberg, u.a. Bizets Carmen bei den Schlossfestspielen 2013 gemeinsam mit der Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla und Humperdincks Hänsel und Gretel in der Spielzeit 2015/2016. Sie inszenierte für die Händelfestspiele Halle gemeinsam mit der Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner Händels Riccardo Primo, sowie für das Theater Osnabrück Telemanns selten gespielte Oper Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho. Für das Theater Lübeck setzte sie zur Eröffnung der Spielzeit 2017/2018 Monteverdis Combattimento di Tancredi e Clorinda mit Orffs Carmina Burana in einem experimentellen Doppelabend in Dialog. Sie arbeitete wiederholt mit dem Ausstattungsduo Lena Schmid und Pia Dederichs und mit der Ausstatterin Mechthild Feuerstein. Ihre Inszenierungen wurden zu Gastspielen an  das Theater Winterthur, das Theater Schaffhausen und zu den Ludwigsburger Festspielen eingeladen. Sie zeichnen sich durch inszenatorische Genauigkeit und die Suche nach immer neuen ästhetischen Erzählstrategien aus. Um Geschichten zu erzählen, lotet sie feinfühlig und humorvoll in enger Zusammenarbeit mit den Darsteller*innen das Wechselspiel zwischen der Offenlegung theatraler Mittel und dem Aufbau großer phantastischer Bilder aus. Auch ihr Geschick, sich altersgruppengerecht in die Phantasie von Kindern einzufühlen und ihnen einen Zugang zum Theater zu schaffen, konnte sie durch ihren poetischen Einsatz oft einfachster Mittel mehrfach in ihrer Arbeit unter Beweis stellen.

2019 inszenierte Clara Kalus am Deutschen Nationaltheater Weimar die Uraufführung von Jörn Arneckes Der Eisblumenwald. 2020/2021 folgte ebenfalls am DNT Weimar die deutsche Erstaufführung von Elisabeth Naskes Familienoper Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch nach Michael Endes Romanvorlage. In der kommenden Spielzeit stellt sie ihre Arbeit als Regisseurin u.a. erstmals am Landestheater Coburg vor.